Ein Jahr ins gelobte Land! Hier erfahrt ihr mehr über mein Leben vor Ort.

Montag, 28. November 2011

1. Rundbrief

1.  Rundbrief

Inhalt: Die Arbeit und das Projekt

Liebe Familie, Freunde und Bekannte,

wie schnell doch drei Monate dahinfliegen. Denke ich jetzt an die Planung des Auslandsjahres zuhause zurück kommt es mir so vor, als wäre es erst gestern gewesen. Wenn ich dann aber an all das bisher Erlebte denke, so kommt es mir vor, als würde ich schon viel länger hier sein.

Ich sehe mich noch auf dem Ausreiseseminar mit all den anderen Freiwilligen, die nun alle in ihren Projekten in den verschiedenen Ländern angekommen sind.
Was ich hier bisher erleben durfte ist unglaublich und kommt nun nach dem Abitur einer 180° Wende gleich. Abgesehen vom täglichen Weckerklingeln um 7 Uhr morgens hat sich mein Leben komplett verändert.

  1. Das Projekt

Um ehrlich zu sein müsste es bei mir „Die Projekte“ heißen. Warum werde ich im Folgenden erklären. Ich wohne in Beit Perry, einem Wohnhaus für 18 erwachsene Autisten in Ra’ananna, einer Stadt, nur kurz hinter dem Einzugsgebiet von Tel Aviv. Die Bewohner (Chaverim: wörtlich Freunde) sind zwischen 20 und 40 Jahren alt. Im Wohnheim leben Frauen und Männer gemischt. In dem Projekt sind die Bewohner in 3 Häuser eingeteilt. Das Rote, das Grüne und das Blaue. Im roten Haus sind hauptsächlich kategorisierte High- Function Bewohner. Das bedeutet, dass diese nur geringe Hilfe in alltäglichen Dingen brauchen. Pflege benötigen sie nicht. Im blauen Haus wohnen sogenannte Middle- Function Personen. Auch hier ist Pflege nicht von Nöten. Die Bewohner können sich aber nur eingeschränkt artikulieren. Im Grünen Haus befinden sich kategorisierte  Low- Function Personen. Diese sind auf Pflege angewiesen und sind zum großen Teil nicht verbal und benötigen ständige Betreuung.
In diesem Projekt wohne und lebe ich, was so viel heißt, dass ich hier mein Apartment habe. Arbeiten tue ich allerdings in einem anderen Projekt.

Jeden Morgen werden alle Chaverim um halb 8 von einem Bus abgeholt, der sie zu einer Werkstatt Hadassim fährt. Diese Tageseinrichtung befindet sich gute 20 Minuten, im Berufsverkehr 45 Minuten von Beit Perry entfernt. Ursprünglich wurde sie als Garten konzipiert, wurde aber vor etwa einem halben Jahr im Zuge einer Umstrukturierung in ein Gebäude verlegt. Werktags (Sonntag bis Donnerstag) fahre ich also mit den Bewohnern zu dieser Einrichtung. Auch hier sind die „Chaverim“ entsprechend ihren Fähigkeiten in High-, Middle-, und Low- Function Groups eingeteilt. Zu unseren Bewohnern kommen dort noch weitere Chaverim anderer Hostels hinzu, wodurch dort momentan 42 Autisten beschäftigt sind.

  1. Die Arbeit

Ich selber arbeite in einer der zwei High- Function Groups in Hadassim. Im  Folgenden werde ich meinen Arbeitstag in der Gruppe exemplarisch darstellen. Es sei aber angemerkt, dass andere Gruppen entsprechend ihren Möglichkeiten variierende Tagesabläufe haben.

Morgens wird der Tag mit einer Begrüßungsrunde begonnen. Danach geht es in den Garten, der von dem neuen Gebäude ca. 10 Minuten zu Fuß entfernt liegt. Der Garten von Hadassim ist heute ein Gemeinschaftsprojekt einer nahegelegenen High- School und der Tageseinrichtung für Autisten. Die Gartenarbeit umfasst die Schwerpunkte Kehrarbeiten, Pflanzarbeiten, Gießen und Sortierarbeiten.

Um 10 Uhr geht es zurück in das Gebäude und es wird gefrühstückt. Anschließend wird getöpfert, was die Hauptbeschäftigung meiner Gruppe darstellt.

Von 11 bis 13 Uhr arbeiten die Chaverim an kleinen und großen Tonschüsseln, die anschließend gebrannt und glasiert werden. Ziel des Ganzen ist eine eventuelle Vermarktung dieser handgemachten Hadassim Produkte. Das Programm läuft nun seit einem halben Jahr und steht damit noch am Anfang. In anderen Einrichtungen hat es sich schon als Erfolg erwiesen. Nicht ganz unkritisch möchte ich beifügen, dass der Ertrag der Produkte nicht als Entlohnung der Chaverim angedacht wird. Wie sich das ganze Programm entwickeln wird ist zum jetzigen Zeitpunkt schwer einschätzbar. Die ersten 100 Schüsseln sind fertig und werden vorerst im Lagerraum bleiben, bis sich ALUT (THE ISRAELI SOCIETY FOR AUTISTIC CHILDREN) Gedanken über die Vermarktung gemacht hat.

Um 13:30 Uhr gibt es schließlich Mittagessen. Je nach Wocheneinteilung kann es vorkommen, dass ich auch beim Tellerwaschen helfen muss, wodurch mein Tag dann mit dem Mittagessen endet. Bedeutet, dass ich dann für die nächsten 2 Stunden so beschäftigt bin, dass ich gerade rechtzeitig zur Rückfahrt nach Beit Perry fertig werde. 

Bin ich nicht für den Abwasch zuständig, so beschäftige ich die Chaverim von 14:30 bis 15:00 Uhr mit Schraubarbeiten. Hadassim hatte vor einigen Jahren einen Vertrag mit einer nahegelegenen Metallfabrik. Heute gibt es immer noch genug Klemmen (Halterungen um Rohre an Wänden zu befestigen) und Schrauben, die die Chaverim ineinander verschrauben. Ursprünglich wurden Pakete gefüllt und an die Fabrik zurückgesendet. Als sich dieses Programm als wenig rentabel für die Fabrik herausstellte wurde es eingestellt. Dennoch ist es immer noch ein Hauptbestandteil im Arbeitsalltag in Hadassim. Fertige Klemmen werden wieder auseinandergeschraubt und den Chaverim erneut gegeben. Das klingt im ersten Moment sehr gemein, ist aber nicht vermeidbar um die, für Autisten, so wichtige Routine aufrecht zu erhalten.

Um 15 Uhr wird eine gemeinschaftliche Reflektionsrunde abgehalten. In dieser dürfen die Chaverim sagen, was ihnen am Besten am Tag gefallen hat und auch, was sie nicht so schön fanden. Schlussendlich geht es um 15:30 dann wieder zurück nach Beit Perry.





ANMERKUNG: Bei allen Zeitangaben sei vermerkt, dass diese sehr unzuverlässig sind und durch viele Variabeln stark verzehrt werden können. Dazu gehören Stromausfälle, aber auch „Ausraster“ und kurzfristige Ausfälle von Betreuern. Zuzüglich werden seit einem Monat Profile der Autisten von einer Verhaltenspsychologin erstellt. Dadurch kommen Einzelprogramme, wie Spaziergänge, Sport und Pausenbetreuungen hinzu.  Diese können auf Grund von Personalmangel oft nur unzureichend erfüllt werden. Alles in allem entsteht so häufig ein sehr unstabiles Konstrukt.

  1. Ausschnitt des Verhaltensprofils des Chaverim X

Autisten sind alle unterschiedlich. Low-, Middle-, oder Highfunction sind hierbei notdürftige Kategorisierungen, die mehr die Nützlichkeit, als die intellektuelle Begabung behandeln. Als Beispiel möchte ich einen Chaverim aus meiner High- Function Group beschreiben. Dieser Chaverim X ist nicht in der Lage seinen eigenen Willen zu äußern. Das heißt soviel, als dass er niemals etwas machen würde ohne das man ihn dazu auffordern würde. So kam es vor, dass er zur Toilette geschickt wurde um sich die Hände zu waschen, dann aber vergessen wurde. Vor einigen Tagen blieb er eine ganze Stunde vor dem Waschbecken stehen. In dieser Zeit hatte der Rest der Gruppe bereits zu Mittag gegessen. Seine Funktionalität ist somit eigentlich nicht der Gruppe angemessen. Ihm müsste wesentlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden, als dies in der Gruppe möglich ist. Als Low- oder Middle- Function kann er allerdings auch nicht kategorisiert werden, da seine Arbeit, so wenn man ihn denn dazu auffordert und ermutigt, dem eines High- Function Mitglieds entspricht.
Die Verhaltensweisen sind oft sehr befremdlich und für uns oft nicht verständlich. „In einer anderen Welt leben“ trifft den Nagel wohl auf den Kopf, denn wie sonst kann man eine komplette Missachtung der eigenen Bedürfnisse deuten?
Für mich bedeutet ein Tag in Hadassim oftmals auch einen Tag der Selbstreflektion, denn man lernt geduldiger und bedachter mit Menschen zu interagieren. Und wenn man denkt man hätte den Dreh raus, so wird man schnell wieder auf den Boden der Tatsache zurückbefördert.

Insgesamt haben sich meine Erwartungen an die Arbeit nicht bestätigt. Als ich in Israel ankam, hatte ich mir die Arbeit leichter vorgestellt und auch geordneter. Nach dem ersten Monat der Einfindung habe ich dann aber das Potenzial dieses Gegenteils erkannt. Die Arbeit kann nicht langweilig werden, da man nie weiß, was auf einen zukommt. Natürlich ist man auch geschafft nach der Arbeit, aber was kann es schöneres geben, als die Chaverim glücklich nach Hause zu bringen? In gewisser Weise stehe ich hier in Israel im Leben der Autisten. Dadurch, dass ich direkt im Projekt wohne kann ich mich nur begrenzt von der Arbeit abschotten und die Wände lassen einige Geräusche durchdringen.
Mittlerweile sind es bekannte Geräusche, die mich auch nach längeren Reisen immer mit einer gewissen heimatlichen Verbundenheit nach Beit Perry zurückkehren lassen.
Wandlungsfähigkeiten in sich entdeckt wohl jeder, der mit Autisten zusammen arbeitet, aber es ist erstaunlich diese erst dann zu entdecken, wenn der Wandel bereits vollzogen ist. Inwieweit das ein Irrtum ist werde ich wohl erst nach diesem Jahr beurteilen können.


Bis dahin verbleibe ich in Besten Grüßen in das winterliche Deutschland.
Über meinen Blog halte ich euch auf dem aktuellsten Stand.

Liebe Grüße

Peter
 



Sonntag, 20. November 2011

Seminar

Wie vor längerem schon erwähnt war ich diesen Monat auf einem Volontärseminar in Nachsholim, einem Kibbutz in der Nähe von Haifa. Vorab einen herzlichen Dank an das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, welches das Dialog Institut in Seminaren bereitwillig unterstützt.
In 3 Tagen wurden uns 20 Volontären Hintergründe von  hochrangigen Glaubensautoritäten beider Seiten erörtert. Die Informationsmenge war mehr als zufriedenstellend.
So trafen wir unter anderem auch den Gründer des ersten Holocaust Museums in der arabischen Welt. Ohne weiter darauf einzugehen verlinke ich hier auf einen etwas älteren Bericht des Spiegels über diesen Mann. (Spiegel Artikel)
Besonders beeindruckend stellte sich ein Treffen mit dem Bürgermeister des israelisch-palästinensischen Städtchens Barta'a im Westjordanland heraus.

Blick auf den arabischen Stadtteil

Blick auf die Müllgrenze

Müllgraben und gleichzeitige Grenze
Der besagte Bürgermeister hat Familie sowohl im palästinensischen als auch im israelischen Stadtteil. Als wir mit ihm durch die Stadt spazierten kannte er alle Geschäftsbesitzer auf beiden Seiten. Das augenscheinlichste Problem im arabischen Teil ist die, von der palästinensischen Autonomiebehörde, unregelmäßig organisierte Müllentsorgung, sowie teilweise die Strom- und Wasserversorgung. Der Grenzübergang selber ist im ausgetrockneten Flussbett (siehe Bild 3). Ein gutes Beispiel für Politik im realen Leben.
Nach dem Seminar musste ich erst einmal gucken wo mir der Kopf steht und so bin ich jetzt erst spät zu einem Blogeintrag gekommen.
Ein Tipp an alle Israelreisenden: Depositioniert euch von der Politik. Das wird allgemein akzeptiert, ja ist sogar erwünscht!

Für die nächsten Wochen habe ich mir vorgenommen in die Westbank zu reisen und hoffentlich einmal richtigen arabischen Hummus zu essen, denn dieser Kichererbsenbrei macht mich einfach verrückt.  Ich hoffe nur das ich nicht bald den Ruf meines Vorgängers an mir heften habe, und sehe mich nicht als Hummus-"Fresser".

Auf Bald,
Peter


Strand in Nachsholim

Haifa im Sonnenuntergang

Mittwoch, 16. November 2011

Israelische Mentalität 2.0

Das sog. "Ausschmücken" von Erzählungen kann nicht mit "Lügen" gleichgesetzt werden.

Donnerstag, 3. November 2011

Balagan am Ende der Woche

Wie bekannt endet die jüdische Woche Donnerstags und beginnt am Sonntag. Allein das fordert dem gemeinen Deutschen schon so einiges ab. Um ehrlich zu sein habe ich mich bis heute noch nicht wirklich damit abfinden können und bemerke sehr oft, dass ich immer noch in unserem Wochenaufbau denke. 

Für die Friends (chaverim) ist so ein Wochenende etwas ganz besonderes. Die Meisten übernachten dann nämlich bei ihren Familien. Und dann kann so ein Ende der Arbeitswoche sehr chaotisch verlaufen. Statistisch gesehen vergrößert sich zumindest die Wahrscheinlichkeit von einem Friend  gebissen zu werden, je weiter die Woche fortgeschritten ist. Heute und Gestern wurden zwei der Guides in die Schulter gebissen (Ich bin so froh das mir das bisher erspart geblieben ist) und ich muss sagen, dass der heutige Tag das Sahnehäubchen der Woche gewesen ist. Nach dem  Bissvorfall war der betroffene Guide erstmal nicht mehr einsatzfähig, was zur Folge hatte, dass die Gruppe für die der Guide zuständig war unbeaufsichtigt blieb. Diese 10, nun unbeaufsichtigten Friends wurden in meine Gruppe gesteckt. Im Endeffekt waren dann 3 Guides (einschließlich mir) für 20 Friends zuständig. Natürlich mussten wir immer noch unser Tagesprogramm durchziehen. Dazu kamen Einzelprogramme für bestimmte Friends, wie  Toilettengänge zählen, Auflockerungsübungen, Sport und Spaziergängen. 
Zuzüglich durfte ich mich 3 Dauerpatienten stellen, die von dem Ganzen durcheinander so verwirrt waren, dass sie mir für den Rest des Tages mit Bruchstücken englischer Sprache, wie "I love you", "You told me?" oder auch "Where is the prospect?" hinterherliefen. Was sie eigentlich von mir wollten konnten sie natürlich nicht ausdrücken. Sie wollten mich fragen warum die Dinge heute anders liefen als normal und das konnte ich ihnen bei meinem besten Hebräischwillen nicht gut erklären. 

Zum Glück gibt es aber auch schönere Tage und so freue ich mich  auf die nächste, kurze Woche. Von Dienstag bis Donnerstag geht es auf ein Seminar in Haifa zum Thema: "Die Rolle der Religionen im israelisch-palästinensischen Konflikt“.

Ich verbleibe in Besten Grüßen in die Heimat.
Bis dann
Peter

P.S.: Über Allerheiligen war ich in Akko. Hier ein paar Fotos








Sonntag, 23. Oktober 2011

Jerusalem

Am Freitag reisten Hannah, Matthias, Johannes, Jana und ich dann doch einmal nach Jerusalem, beziehungsweise  diesmal ging es wirklich nach Jerusalem. Vorher hatte Jana uns ein Bagpacker Hostel im Internet rausgesucht, welches nicht weit weg von der historischen Altstadt lag.
Nachdem wir uns einquartiert hatten ging es auch schon los in die Stadt. Nach längerem Herumgeirre in dem größten, organisierten, innerstädtischen Durcheinander das ich je erleben durfte, gelangten wir schließlich zur Klagemauer, hinter der sich der Felsendom erhob. Pünktlich um 17 Uhr ging dann das traditionelle Shabbatgebet los. Und überall sahen wir mit Anzug und Hut bestückte Orthodoxe, die entweder in sich gekehrt beteten oder aber arm in arm lautstark sangen.
Zurück im Hostel wurde mit anderen Reisenden zusammen das Shabbatmahl gekocht und natürlich auch verspeist. Einige Stunden später fand man sich gemütlich zu einem Trunk zusammen.
Am nächsten Morgen ging es zurück in die Stadt und ich könnte jetzt nur noch einen Bruchteil der historisch-religiös bedeutsamen Stätten zusammenkriegen die wir gesehen haben, also lasse ich es lieber ganz. Jerusalem strotzt vor Geschichte und  man könnte sich ein Leben mit dieser auseinandersetzen.

Unser Touristenführer tat sein Bestes um nicht all zu weit in seinen Erklärungen auszuufern, aber selbst ihm gelang es nur schwer die Basics in drei Stunden Rundführung einzubauen.
Kurz zur Erklärung. Die Altstadt Jerusalems ist in vier Viertel eingeteilt. Das Jüdische, Christliche, Muslimische und das Armenische. Auf diese Einteilung hatte man sich Mitte des letzten Jahrhunderts geeinigt um vorrangegangene und zu erwartende Konflikte aus der Welt zu schaffen. Am Besten sieht man Jerusalem eigentlich auf den Dächern der Häuser. Und erst dann sieht man  das strukturierte Wirrwarr an Glaubensstätten.

Wer jetzt denken sollte, das klingt doch alles ganz friedfertig, den muss ich leider enttäuschen, denn was man noch von den Dächern sieht ist die nur wenige Kilometer entfernte riesige Betonmauer zwischen Israel und dem Westjordanland. Außerdem beginnen seit den letzten Jahren jüdische Siedler Häuser im arabischen Teil Jerusalems aufzukaufen. Isreals Regierung unterstützt sie dabei.  Ein Sinnbild des doppelten Spiels, dass viele Israelis spielen und auch eines welches weder die UN noch die USA in den letzten Jahren klären konnte.
Nachdem unsere Füße am Abend wund- und plattgelaufen waren ging es mit dem Bus zurück nach Ra'anana.

Seltsame Begebenheit:

Mit uns fuhren zwei Studenten aus Deutschland, die sich am Flughafen verabschiedeten, da sie zurück nach Deutschland flogen. Wir blieben im Bus sitzen und fuhren weiter durch die Nacht.










Mittwoch, 19. Oktober 2011

Freitag, 14. Oktober 2011

der jüdische Wochenkasperl

Manchmal kommt es mir so vor als würde ich in zwei verschiedenen Welten leben.
Da ist auf der einen Seite die Woche in Hadassim, und auf der Anderen das Wochenende und der Schabbat.
Fleißige Israelis versinken am Schabbat 2 Tage in der Woche in kollektives Nichtstuen. Und wenn sie nichts tuen dann kann ihnen das auch keiner übelnehmen, denn wer schläft sündigt bekanntlich nicht.
Die letzten Wochen waren zusätzlich mit jüdischen Feiertagen durchsäht. Ob Jom Kippur oder das Laubhüttenfest Sukkot. Stehts wird es angenehm, gelassen angegangen.
Jom Kippur. Ein Tag ohne Autos, Fernsehen, Radio und Flugzeugen. Ein Land steht still und ist in Bewegung zu gleich. Der Tag an dem das Land auf der Straße lebt, denn gerade an diesem Tag gehört sie den Menschen. Sensible Achtung der Tradition im amerikanischen Traum vereint. Und so rechtfertigt sich auch auf ein jedes Mal erneut die Rückkehr des israelischen Wochenkasperl nach Ende des Schabbats. 
Wenn dann doch einmal die Sonne über Israel untergeht, sieht man diese huschenden Gestalten in der Dunkelheit, die neues Leben auf die Bürgersteige bringen. Ob man sich diesem Treiben anschließt bleibt einem dabei selbst überlassen.

Freitag, 30. September 2011

Glaube vs. Realität

Es ist ein kein Geheimnis das ultraorthodoxe Juden eine Belastung des israelischen Sozialsystems darstellen, aber wo ist die Grenze zwischen gemäßigten und konservativen?
Ein kleiner Beitrag meines Verständnisses.

Heute Morgen hatte ich keine Lust mehr! Ich kam zum Schluss das ich einfach viel zu viel Zeug im Zimmer hatte, für das ich sowieso keine Verwendung hatte. Als ich meinen Fernseher packte und raustrug kam Dana, eine der Guides, auf mich zu und verwies auf zwei Personen, die am  Haupteingang von Beit Perry standen. Diese 2 Personen hatten ein Problem, welches eigentlich keines sein sollte. Die Sicherung der Klimaanlage war in ihrem Appartement rausgesprungen. Sie nahmen mich mit zu ihrem Appartement und baten mich die Sicherung wieder einzuschalten. Mit einem einfachen "Klick" war das dann getan und zur Belohnung bekam ich eine eiskalte Coke und ein Schnitzel mit Bratkartoffeln.
Warum sie das nicht selber machen konnten? Während den Feiertagen ist es manchen Juden schlichtweg untersagt Dinge an zufassen, die mit Elektrizität in Verbindung stehen. So auch Sicherungen. Vor den Feiertagen wird alles per Zeitschaltuhr genau eingestellt.
Ob diese Thematik explizit in der Tora thematisiert wird wage ich zu bezweifeln und somit bleibt es Auslegungsache. Viele Juden sehen das auch gar nicht so dramatisch und betätigen Sicherungschalter ohne viele Gedanken. Aber wo ist die Tragfähigkeit solcher Auffassungen? Man könnte es als einfach dumm bezeichnen, aber vielleicht ist es vielmehr Disziplin die man heutzutage vermissen kann, wenn man denn möchte.

Schnitzel sind vielleicht das beliebteste Gesprächsthema der Israelis und so unterhielt ich mich eine Weile mit der Mutter des Hauses darüber.
Ich bestätigte ihr mehrfach den ordentlichen Geschmack ihrer Schnitzel und fügte hinzu, dass Champignonrahmsauce doch vorzüglich zu  Schnitzeln passen würde. Und noch als die Worte aus mir heraussprudelten wurde mir bewusst, das das nicht koscher war.

 "Von Natur aus sind die Menschen fast gleich; erst die Gewohnheiten entfernen sie voneinander."
 - Konfuzius

Montag, 26. September 2011

Israelische Mentalität 1.0

"Wie wechselt ein Araber seine Glühbirne? Gar nicht, er lässt sie sich von seinem jüdischen Nachbarn wechseln" (bekannter israelischer Spruch)

Freitag, 23. September 2011

See Genezareth

Montag Morgen in aller Frühe (10 Uhr) ging es mit den Friends in den Norden. Das Ziel: Tiberias am See Genezareth. Dieses Foto war das Erste was ich aus dem Bus heraus machen konnte.
Hinter dem See öffnet sich die Hochebene der "Golan Heights" und dahinter die Grenze zum Libanon. Am Ersten Tag am See wurde eine Kutschentour in einem Kibutz in der Nähe unternommen. Am nächsten Tag gingen wir  Kanufahren und anschließend ging man im See schwimmen. Am Donnerstag fuhren wir auf einen Berg in den "Golan Heights". Von seiner Spitze hatte man einen wundervollen Ausblick auf den
Libanon. Es ist schwer mit einer Kamera  das zu vermitteln, was man sofort spürt, wenn man da ist. Es ist die Präsenz der Vergangenheit in jedem was man sieht. Geschwafel hin oder her, den Friends machte es sichtlich Spaß. Das spürte man vorallem daran, dass "Zwischenfälle" seltener wurden. Jedem der Guides wurde via Morgen- und Abendschicht ein Friend zugeteilt. Dadurch war auch zum ersten mal eine nahezu perfekte Betreuung der Friends möglich.







nationalbewusste Bootsfahrt
Nun ist wieder einmal Schabbat und ich bin wieder zuhause.  Heute Morgen hat es das erste Mal geregnet und auch wenn es nur ein paar Tropfen waren, so sind diese doch der Anfang des Winters. Die Israelis freut das, denn in den letzten Jahren ist Israel immer trockener und trockener geworden. Der See Genezareth, Israels Süßwasserzufuhr ist angeschlagen und nahezu jeder Israeli ist sich dessen bewusst. Ich bin gepannt was das Wetter bringt und halte so lange den Wasserhahn beim Zähneputzen geschlossen.







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Freitag, 16. September 2011

Montag, 12. September 2011

Arbeit, Spaß und Sonnenschein

Seit ich letzte Woche Montag mit der Arbeit in Hadassim angefangen habe hat sich einiges verändert. Die Arbeit macht wahnsinnigen Spaß und steigert sich je mehr man über die Friends (Autisten) lernt. Das A und O ist und bleibt allerdings Geduld und noch mehr davon.

Eine solche Einrichtung wie Hadassim - ob es die  in Deutschland geben könnte?  Ganz klar nein!!!!
Abgesehen von den stündlichen Stromausfällen ein hochmodernes Haus in optimaler Lage. Das einzige Probleme ist die israelische "Balagan- Philosophie" (zu deutsch: Chaos). Das fängt bei kleinen Dingen an und endet stets in hektischem Tumult. Aber nehmen wir mal unsere kulturelle Brille ab, denn immerhin sind wir ja nicht in Deutschland.
Letzte Woche waren wir mit den Friends aus Beit Perry auf einem Konzert im Stadtpark von Ra'anana. Die Musik war echt ätzend aber den Friends (und leider vielen Anderen) gefiel es wirklich gut. Die Stimmung war ausgelassen und heiter.
So etwas wäre in Deutschland ebenfalls nie möglich gewesen. Ich habe einige Zeit darüber nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass uns einfach der unbefangene (südländische?) Umgang mit beeinträchtigten Personen fehlt. Dazu müssten wir weniger bürokratisch als viel mehr spontan die Dinge in die Hand nehmen. Zurück  zur Arbeit. Jeden Morgen mache ich mit der High-Function Group einen Spaziergang durch die umliegende Hügellandschaft. Um 10 Uhr wird gefrühstückt und anschließend bis zum Mittagessen getöpfert. Danach varriert das Programm wieder stark, bis die Friends um 15:25 von dem Bus abgeholt werden (Was für eine Uhrzeit oder nicht?). Den optimalen Umgang gibts es nicht. Am Besten ist eine Mischung aus Diskretion und Witz (Für mich funktioniert das ganz gut).
Nichts desto trotz gibt es immer auch schwierige Momente, gerade wenn sich die Autisten selber in Rage bringen und selber verletzen. Gerade in solchen Situationen verpüre ich auch Resignation und Trauer. In gewisser Weise sage ich mir , dass es doch irgendwie Kinder sind, die manchmal noch nicht genau wissen, was sie machen. Als christlicher Mensch sicherlich eine gute Vorstellung, weßhalb sich ein Bemühen lohnt. 
Ich möchte mit einem Satz meiner Arbeitskollegin Lital abschließend:  
                                                          
                                "Man investiert viel aber man bekommt auch viel zurück" 

Montag, 5. September 2011

Hadassim

Shalom,
Heute hatte ich meinen ersten Arbeitstag in Hadassim, der Beschäftigungsstelle für viele Autisten im Einzugsgebiet von Tel Aviv. Neben Tonarbeiten, Malen und Schrauben einsortieren, bietet ein kleiner Garten einen abwechslungsreichen Alltag. Dabei sind die Autisten in Lower-/ Middle- und Higherfunctiongroups aufgeteilt.
Ich freue mich schon sehr auf die nächsten Wochen, zumal ich heute den ersten "Checkpoint" in Israel passiert habe, auch wenn dieser eher einem Gartenhaus ähnelte.
Am Mittwoch kommen (wahrscheinlich) 2 neue Freiwillige und dann wirds eng in Beit Perry.
Ich nehms israelisch und laste mir nicht zu viel Verantwortung auf,
bis dahin,
Peter

P.s. Ich brauch Fotos ich weiß 

Samstag, 3. September 2011

Tel Aviv

Gestern in Tel Aviv gewesen. Verdammt große Stadt und man findet sich nicht wirklich zurecht. Ausgehen ist kein Problem, man sollte allerdings in bestimmten Bezirken darauf achten mindestens 23 zu sein und die indische Staatsbürgerschaft zu besitzen.
Notiz an mich: Nie mehr nach dem Weg fragen.

Heute ist Schabbat und die Stadt schläft.In diesem Moment sitze ich am Fenster von Matthias und Johannes Appartment lausche dem fremden Gesang in der Ferne.

Donnerstag, 1. September 2011

Irgendwie da!

Irgendwie da! Das trifft es wohl am Besten. Am Flughafen noch ein bisschen Stress mit Zollbeamten gehabt. Genauso sicher, wie uns das Abholen versichert wurde, wurden es Hannah und ich natürlich nicht und um 5 Uhr Morgens stand man dann vor verschlossenen Türen in Ra'ananna.
Nichts desto trotz die Stunde schlaf bekommen, die man braucht um sich durch die tropischen Klimate des Tages hier zu kämpfen.

Israelischen Mitfreiwilligen kennengelernt. Im Endeffekt ist es immer noch warm. Sonntag erster Arbeitstag.



Dienstag, 30. August 2011

Los gehts dann, wenn man da ist!

Liebe Unterstützer, Freunde und Bekannte,

Willkommen auf meinem Blog. Während meines Auslandsjahres in Israel werde ich  in regelmäßigen Abständen das Notwendige über meinen Alltag hier veröffentlichen. Nun geht es also morgen Abend los!                     

                                                             Trauer - Freude dazwischen hängt man so. 
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Kurz zur Arbeit vor Ort: Ich arbeite in einem Wohnheim für Autisten in der Nähe von Tel Aviv. Dabei werde ich mit den Klienten in einem Garten außerhalb der Stadt arbeiten.

Warum ich mir erst andere Blogs angucken muss um mich an die dringend notwendige Danksagung zu erinnern weiß ich selber nicht aber nichts desto trotz, ein dickes Dankeschön an alle meine Unterstützer ohne die dieses Jahr einfach nicht möglich gewesen wäre.